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Fizy: Musikseite ohne Schnörkel
Mrz 30th, 2009 by Tobias Chi

Das spartanische Design von fizy.com macht schnell deutlich, worum es geht: um nichts als Musik und Videoclips.

Web Blog2 in

Man schreibt einfach den Namen eines eines Künstlers oder eines Songs ins Eingabefeld und drückt den «Fizy»-Button. Aus den Resultaten wählt man das gewünschte Stück, das der integrierte Player dann abspielt. Unter «Video ansehen» erscheint gleich noch der dazugehörige Clip ab Youtube. Einfacher geht’s wirklich nicht.

Hier geht’s zu fizy.com

Pet Shop Boys: Neues Video «Love Etc.»
Mrz 4th, 2009 by Tobias Chi

Was man alles sein oder eben nicht sein muss, um seine Liebe zu finden, erklären uns die Pet Shop Boys in ihrem aktuellen Clip «Love Etc.»

Musik und Bilder vermitteln ein schaurig-schönes Gänsehautfeeling und lassen schon mal Vorfreude auf das Album «Yes» aufkommen, das ab 20. März erhältlich sein wird.

Gotan Project: «Das Copyright ist sehr sinnvoll»
Nov 1st, 2008 by Bartosz Wilczek

Der in Paris lebende Schweizer Musiker Christoph H. Müller spricht über Musik im Zeitalter des Internets, über neue Projekte und wann es Gotan Project das nächste Mal live in der Schweiz zu hören gibt.

Gotan G 01 in

«Ich liebe Musik als Objekt, in Form einer CD oder einer Platte»: Christoph H. Müller (Mitte).

Tango für das neue Jahrtausend: 2001 veröffentlichte das französisch-argentinisch-schweizerische Trio Gotan Project ihr Debütalbum. «La Revancha del Tango», eine Fusion aus Tango und elektronischen Beats, hat sich weltweit über eine Million Mal verkauft. 2006 folgte mit «Lunático» das zweite Studioalbum. Christoph H. Müller, der Schweizer Part von Gotan Project, verrät, wann das dritte Studioalbum herauskommt und weshalb man das Copyright auch im Internetzeitalter nicht aufgeben sollte.

Herr Müller, welche Alben haben Sie sich zuletzt gekauft?
«Carried to Dust» von Calexico zum Beispiel. Deren CDs bekomme ich zwar meistens geschenkt, diese habe ich mir aber gerne gekauft. Und dann noch die neuen CDs von Fujiya & Miyagi, Roots Manuva und von Umalali aus Belize.

Sie kaufen also weiterhin vorwiegend CDs? Immer mehr Musikkonsumenten holen sich die Musik vornehmlich aus dem Internet. In Downloadshops gibt es die Songs bequem per Mausklick.
Ich liebe Musik als Objekt, in Form einer CD oder einer Platte. Ich stöbere gerne in Platten- und Secondhand-Läden, lasse mich vom Angebot überraschen und kaufe mir viele CDs und Platten. Und natürlich nutze ich daneben auch Downloadshops, dabei aber vor allem spezialisierte Websites wie bleep.com. Über bleeb.com bin ich übrigens auf Fujiya & Miyagi gestossen.

Neben kostenpflichtigen Plattformen wie iTunes oder MySpace Music gibt es zahlreiche, zum Teil auch illegale Download-Websites, die keine Lizenzabkommen mit den Plattenfirmen haben, und die Songs kostenlos anbieten. Vor diesem Hintergrund sprechen sich Branchenkenner wie Peter Jenner, Ex-Manager von Pink Floyd, gegen das exklusive Urheberrecht aus, schliesslich seien Copyrights heutzutage kaum noch durchsetzbar. Einverstanden?
Nein. Das Copyright ist sehr sinnvoll. Man sollte sich wirklich zweimal überlegen, ob man das aufgibt. Zumal es sehr lange gedauert hat, das Copyright durchzusetzen. Unsere Kultur hat so viel hervorgebracht, und es entsteht immer noch sehr viel Neues, selbstverständlich auch in der Musik. Diese neuen Ideen müssen doch geschützt werden.

37 Milliarden Dollar wurden im Jahr 2000 durch CD-Verkäufe erzielt. Heute sind es sieben Milliarden weniger, weil viele Musikkonsumenten auf Download-Angebote umsteigen. Macht Ihnen das als Musiker Sorgen?
Es gibt heutzutage wirklich Wichtigeres, über das man sich Sorgen machen könnte. Aber ja: Für Musiker haben diese Entwicklungen negative Auswirkungen. Es werden weniger CDs verkauft, gleichzeitig bietet das Download-Geschäft noch keine Kompensation. Ich glaube aber nicht, dass der illegale Download alleine den Musikmarkt zerstört hat. CDs waren und sind noch immer viel zu teuer. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Kosten für die Produktion der CDs in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sind. Diese Kostenreduktion wurde aber nicht auf den Konsumenten übertragen. Dafür wurde das Marketing immer wichtiger und die Kosten schossen in die Höhe. Ebenfalls wurde von Seiten der grossen Labels wenig in neue kreative Musik investiert. Nun sind sie selbst schuld, dass die CD-Verkäufe einbrechen.

Dass Musik im Internet erschwinglicher wird, ist aus Sicht der Musikkonsumenten aber zu begrüssen.
Klar können Musikkonsumenten Songs sehr günstig und zum Teil sogar gratis downloaden. Das geht aber auf Kosten der Klangqualität. Die technische Entwicklung ist beinahe absurd. Auf der einen Seite kann man die Songs in fantastisch ausgerüsteten Tonstudios in nahezu perfekter Qualität aufnehmen, in Frequenzen sogar, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind. Auf der anderen Seite liefert man die Songs in einer Qualität an das Publikum, wie man es zuletzt vom Grammophon kannte, um es überspitzt zu formulieren. Die MP3-Qualität ist schlecht. Und langfristig könnten sich die Musikliebhaber an diese schlechte Qualität gewöhnen.

Mit 200 Millionen Nutzern, davon rund fünf Millionen Bands, ist MySpace ein weltweites Phänomen. Wie schätzen Sie das soziale Netzwerk ein?
Ein Profil bei MySpace kann man mit einer Vitrine vergleichen. Eine Band kann sich und ihre Musik einem grösseren Publikum präsentieren. Musikfans wiederum können dort einen ersten Eindruck von der Band gewinnen und schnell reagieren, wenn ihnen etwas gefällt.

Ende September hat MySpace mit MySpace Music eine eigene Download-Plattform lanciert und als Konkurrenz zu Apples iTunes positioniert. Streaming-Angebote sollen gratis bleiben, das Download-Angebot wird aber kostenpflichtig.
Konkurrenz ist grundsätzlich gut. Beide Plattformen bedienen aber eher den Mainstream-Geschmack. Wie gesagt, ich nutze auch Download-Plattformen, konzentriere mich aber auf musikalisch spezialisierte Websites. Dass MySpace nun auch Downloads zum Kaufpreis anbietet, finde ich grundsätzlich schade, weil dies gegen die ursprüngliche Idee von MySpace geht.

Nämlich?
Die ursprüngliche Idee von MySpace hatte doch anarchische Züge. Bands sollten eine eigene Plattform erhalten, um sich darzustellen. Heute geht es um das grosse Business.

Welche Erfahrungen haben Sie mit MySpace gemacht?
MySpace ist natürlich auch ein Netzwerk für Musiker. Das Profil von Gotan Project wird zwar von unserem Musiklabel unterhalten. Mit meinem Nebenprojekt Radiokijada bin ich aber mit einem eigenen Profil bei MySpace aktiv und vernetze mich mit anderen Musikern. Auf diesem Wege kamen schon unterschiedliche Kooperationen zustande – zum Beispiel habe ich Bands für Remixes von Radiokijada kontaktiert.

Um was geht es bei Radiokijada?
Zusammen mit dem peruanischen Perkussionisten Rodolfo Muñoz arbeite ich seit 2003 quasi zwischen Paris und Lima an Radiokijada. Dabei handelt es sich um afro-peruanischen Sound, die Musik und Kultur der hautsächlich schwarzen Bevölkerung der Pazifik-Küste Perus. Garantiert ohne Panflöte also! Im November kommt eine EP mit vier Stücken heraus. Und nächstes Jahr gibt es dann das erste Album.

Nach «La Revancha del Tango» 2001 mussten sich die Fans sechs Jahre auf «Lunático», das zweite Studioalbum von Gotan Project, gedulden. Wann kommt das dritte Studioalbum heraus?
Voraussichtlich 2010. Wir wollen uns Zeit nehmen. Es wird so viel produziert. Der Markt wird quasi überschwemmt. Wir wollen etwas produzieren, das Wert hat und relevant ist. Diesen November veröffentlichen wir aber eine Box, mit zahlreichen Specials, etwa einer Doppel-CD mit Live-Aufnahmen, einer Vinyl-Single, einer DVD und einem Fotoband.

Gibt es dabei auch neues Material zu hören?
Wir haben je ein Stück aus den beiden Studioalben im Stil des klassischen Tangos neu arrangiert. Das ist für uns ein intellektuelles Spiel. Auf unseren Alben haben wir den klassischen Tango in die Moderne überführt. Nun nehmen wir diese modernen Tango-Versionen und bringen sie wieder zurück zu ihrem Ursprung.

Und wann kommt Gotan Project in die Schweiz?
Wir spielen am 5. Dezember in Lausanne, im Les Docks. Das ist dieses Jahr leider unser einziges Konzert in der Schweiz.

Von Bartosz Wilczek

Radiokijada bei MySpace

Gotan Project

Gotan Project bei MySpace

Beats & Loops: Nur die besten Zutaten ergeben einen feinen Mix
Aug 5th, 2008 by Bartosz Wilczek

Neue Talente braucht das Land, findet DJ Noise. Drei Gadgets für eine musikalische Fingerübung gibt es schon mal hier.

Noise G 01 in

Zum 17. Mal startet diesen Samstag die Street Parade zu einer Art Techno-Volksfest am Zürcher Seebecken. Ohne die Street Parade «gäbe es in der Schweiz aber auch den Underground nicht mehr», sagt Patrick Finger, besser bekannt als DJ Noise. Das Zürcher DJ-Urgestein legt am Samstag beim Kongresshaus auf und präsentiert zur Street Parade eine eigene CD.

Tipps vom Profi
Schade sei, so DJ Noise, dass die Verantwortlichen kaum noch Schweizer DJs für die Street Parade engagieren. Neue Talente sind also gesucht. In diesem Sinn will der Zürcher schon seit längerem eine DJ-Schule gründen, «doch bisher kam immer etwas dazwischen». Zur Grundausrüstung eines DJs gehören zwei CD-Player und ein Mischpult. «Auf Plattenspieler und Vinyl kann man heutzutage gut verzichten.» Ein «vernünftiger CD-Player» etwa von Pioneer kostet um die 900 Franken, das Mischpult gibt es als Occasion ab 300 bis 500 Franken. Für Einsteiger reicht das.

Tracks im Netz
Und dann darf natürlich auch eine sorgfältig sortierte CD-Sammlung nicht fehlen – oder «eine funktionierende Kreditkarte». Denn auf Websites wie «beatport.com» oder «dj-download.com» stehen die Tracks «legal zum Download bereit». Diese mixt DJ Noise mit dem Programm Traktor DJ Studio in Verbindung mit FinalScratch. Für Einsteiger und Fortgeschrittene bieten auch die folgenden neuesten Musik-Gadgets einen kreativen, wenn auch nicht ganz günstigen Zugang in die Welt der elektronischen Musik.

Der mobile Alleskönner
Der Pacemaker ist nicht grösser als ein Brillenetui, vereint aber ein ganzes DJ-Equipment. Dank dem kleinen Gerätchen des schwedischen Herstellers Tonium hat der DJ ein Mischpult, zwei Plattenspieler und sein Musikarchiv auch unterwegs stets griffbereit. Der Pacemaker verfügt über 120 GB Speicher. Mit den beiden runden berührungsempfindlichen Bedienelementen kann man Mixes kreieren. Für zusätzliche Funktionen wie Loops, Hall-Effekte oder die Veränderung von Höhen und Tiefen gibt es spezielle Tasten. Über den Kopfhörer kann man die Tracks probehören.

Preis: 947 Franken.
www.djpacemaker.ch

Der innovative Soundtüftler
Der japanische Medienkünstler Toshio Iwai hat es entworfen. Und Yamaha hat es gebaut. Das Tenori-On ist eine Schnittstelle für «visuelle Musik» und soll auch Peter Gabriel und Björk zu innovativen Klängen inspiriert haben. Die Matrix des Tenori-On hat 16 mal 16 LED-Tasten, erfüllt Eingabe- beziehungsweise Spielfunktionen und ist zudem ein Display. Durch die Bedienung und die Interaktion mit den LED-Tasten sowie dem Licht, das sie erzeugen, kann der Soundtüftler eine Vielzahl von Spielmöglichkeiten nutzen. Aufnahmen kann man auf bis zu 16 Ebenen auch gleichzeitig abspielen.

Preis: 1390 Franken.
www.tenori-on.yamaha-europe.com

Das vielseitige Trio
Korg, der japanische Hersteller von Keyboards, präsentiert drei brandneue USB-Controller für den Computer und liefert damit ein Musikstudio im Kleinformat für zu Hause. Der nanoKEY hat 25 anschlagsdynamische Tasten und eignet sich bestens zum Komponieren am Computer. Mit dem nanoPAD wiederum kann man die passenden Rhythmen programmieren oder auch Akkorde speichern und diese per Tastendruck wiedergeben. Und mit dem nanoKONTROL liefert Korg noch das passende Mischpult, mit neun Fadern, neun Drehreglern und 18 Schaltern.

Voraussichtlich ab Ende 2008 auf dem Schweizer Markt.
www.korg.de

Von Bartosz Wilczek

Mp3-Shops: Wieso nicht mal beim Russen kaufen?
Jun 20th, 2008 by Tobias Chi

1.50 Franken kostet ein Song im iTunes Store. In anderen Shops bezahlt man acht mal weniger.

Mp3 G 01 in

Nach Absprache mit der Musikindustrie legte Apple den Preis für den Download eines Songs im iTunes Store auf Fr. 1.50 fest. Woraus genau sich dieser Preis zusammensetzt, war bei Apple Schweiz nicht in Erfahrung zu bringen. Einem Artikel des Online-Magazins Slate zufolge sollen aber über 80 Prozent davon in die Taschen der grossen Plattenfirmen fliessen.

Ein Song für 20 Rappen
Wem der Preis bei iTunes zu hoch ist, kann auf einen ausländischen Shop ausweichen, wo dasselbe Produkt oft viel günstiger im Angebot steht. Bei manchen Anbietern aus Osteuropa, zum Beispiel «mp3sugar.com» oder «mp3fiesta.com», kostet ein Song rund 20 Rappen, also fast acht mal weniger als im iTunes Store. Zwar ist bekannt, dass diese Unternehmen über kein Lizenzabkommen mit den Plattenkonzernen verfügen, doch braucht dies den Konsumenten letztlich nicht zu kümmern.

Rechtliche Situation
Macht sich in der Schweiz strafbar, wer Musik bei einem ausländischen Billig-Shop einkauft? Nein, sagt Andreas Tschöpe von der Stiftung für Konsumentenschutz zu «.ch». Der Konsument trage keine Verantwortung, auch dann nicht, wenn es sich um eine dubiose Bezugsquelle handle. Dagegen sei es verboten, anderen die Musik auf seiner Festplatte zur Verfügung zu stellen, weil damit das Urheberrecht verletzt werde, so Tschöpe. Dies geschieht etwa dann, wenn man ein File-Sharing-Programm wie Limewire oder BitTorrent benutzt, wo Musik nicht nur herunter-, sondern auch hochgeladen wird.
Weil sich Konsumenten, die bei osteuropäischen Anbietern einkaufen, in einer weitgehend rechtsfreien Zone bewegen, tragen sie auch allfällige Risiken selber. Hin und wieder war in Internet-Foren zu lesen, dass Besuchern solcher Shops ein zu hoher Betrag auf der Kreditkarte belastet wurde.
Wer sich selbst ein Bild verschaffen möchte, kann die Website aom3.org besuchen: Hier tauschen Konsumenten ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Mp3-Shops aus.
Tobias Chi

«Weltweite Plattform für Musiker»
Mrz 28th, 2008 by Tobias Chi

Tobi Wirz, Musiker und Mitbegründer von «iMusician Digital»

Tobiwirz G 01 in

Was steckt hinter imusiciandigital?
Wir sind ein digitaler Musikvertrieb, der insbesondere von Bands ohne Label, aber auch von kleineren Labels genutzt wird. Gegen eine Gebühr von etwa fünf Franken pro Monat können Musiker über uns ihre Musik in bekannten Online-Shops wie iTunes, eMusic, Napster und vielen weiteren veröffentlichen.
Imusiciandigital verdient an den Verkäufen der Musik mit.

Worin besteht der Unterschied zu einem herkömmlichen Plattenlabel?

Das ist eine berechtigte Frage. Der Übergang zwischen unserem Angebot und dem eines herkömmlichen Labels ist tatsächlich fliessend. Wir übernehmen teilweise die Aufgaben und Pflichten eines Labels, indem wir zwischen Musiker und Verkäufer vermitteln. Im Gegensatz zum Label aber betreiben wir keine Promotion. Deshalb verstehen wir uns auch nicht als digitales Label, sondern als digitaler Vertrieb.

Bands, die ihre Musik über imusiciandigital vertreiben, sind an keine Labelverträge gebunden. Ist die Kehrseite dieser Medaille nicht, dass eine Band im unübersichtlichen Musikmarkt untergeht, wenn sie von keinem Label gepusht wird?
Doch, diese Gefahr besteht bestimmt. Durch uns wird Bands ohne Label immerhin eine weltweite Plattform geboten. Im Grunde ist es dann jeder Band selber überlassen, wie sie auf sich aufmerksam machen will. Viele Bands sind nebenbei noch bei einer Agentur, die sich um die Promotion kümmert.

Imusiciandigital ist ein professionell aufgemachtes Portal, das wohl auch finanziell aufwendig umzusetzen war. Sind Sie mit den Zahlen zufrieden? Ist ein Wachstum festzustellen?
Im Moment sind wir noch nicht ganz selbsttragend. Glücklicherweise haben wir Investoren aus Deutschland, die uns finanziell den Rücken decken. Vor allem die Datenbankprogrammierung ist ziemlich kostspielig. Was unser Wachstum angeht, so haben wir mittlerweile auch ein Büro in München und expandieren demnächst auch nach Skandinavien. Wir überlegen uns zudem, einen Schritt in die USA zu tun, wenngleich dort tunecore.com, unser amerikanisches Pendant, ein grosser Konkurrent ist. Unser kurzfristiges Ziel ist es, uns in Europa zu profilieren.

Auf Ihrer Website kann durch die unterschiedlichsten Stile gebrowst werden, von Rock bis Reggae, von Electronic bis Klassik. Können Sie uns etwas über das Kundensegment sagen, dass Ihr Angebot am meisten nutzt?
Wir haben sehr viel Musik aus dem Electronic-Bereich, was vielleicht auf die Technik-Affinität dieser Musiker zurückzuführen ist. Daneben haben wir aber auch viel Rock, Punk und Hip-Hop und interessanterweise auch vermehrt klassische Musik. Das Genre, das am wenigsten vertreten ist, ist Volks- und Schlagermusik.

Durch den digitalen Wandel ist die Existenz der grossen Musikkonzerne bedroht. Wie sieht Ihrer Einschätzung nach der Musikmarkt in zehn Jahren aus?
Das ist schwer zu sagen, da sich alles in raschem Wandel befindet. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine noch grössere Diversifizierung in der Branche stattfinden wird, also dass die grossen Labels
noch stärker an Bedeutung verlieren werden und Künstler den Vertrieb und die Promotion selber in die Hand nehmen. Die grossen Labels konnten sich lange nicht von ihren herkömmlichen Geschäftsmodellen lösen und haben dadurch den Anschluss ans neue Geschäft wohl etwas verschlafen. Sie versuchen jetzt, sich stärker auf den Live-Bereich zu konzentrieren und wenige Künstler gross herauszubringen.

Es gibt Geschichten von Stars wie Lilly Allen oder Kate Nash, die allein durch Ihren MySpace-Auftritt berühmt geworden sein sollen. Hat ein Musiker ohne professionelles Marketing heute tatsächlich eine Chance auf Erfolg?
Daran glaube ich nicht. Ich bin überzeugt, dass bei den genannten Künstlerinnen eine professionelle Marketingmaschine dahintersteckt. Auch auf MySpace gibt es mit dem nötigen Know-How Mittel und Wege, um Bands professionell zu promoten. Die MySpace-Charts sind nicht so liberal, wie sie gerne dargestellt werden. Auch sie können relativ leicht manipuliert werden.

Musik-Piraterie im Internet ist immer noch ein grosses Thema. Wäre es nicht das Beste, den Musikdownload nicht mehr zu kriminalisieren?
Das wäre sicher nicht das Schlechteste. Eine Idee wäre, eine monatliche Grundgebühr einzuführen, ähnlich wie beim Fernsehen, die den unbeschränkten Download erlaubt und womit Labels und Musiker entschädigt werden. Über eine solche Lösung wird bereits diskutiert. Ein Problem ist noch, dass bei Formaten von digitaler Musik keine einheitlichen Standards bestehen.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Mediums CD ein? Wird sie bald nur noch bei Nostalgikern beliebt sein wie heute die Schallplatte?

Natürlich wird Musik immer häufiger nur noch digital konsumiert werden. Die jüngere Generation wächst ja bereits weitgehend ohne CD auf. Doch Liebhaber, die ein hübsches Booklet zu schätzen wissen, wird es wohl immer geben. Hier ist die Kreativität der Labels und der Musiker gefragt, wie man den Fans durch den Kauf einer CD einen Mehrwert bieten kann.

Bestimmt kennen Sie das Verkaufskonzept von Radioheads letztem Album, wo jeder soviel für den Download bezahlen konnte, wie er wollte. Was halten Sie davon?
Das ist sicher eine gute und zukunftsweisende Idee. Man darf sich hier jedoch nichts vormachen: Diese Art von Marketing funktioniert nur bei Bands, die etabliert sind und schon einen Namen haben. Dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Im Grunde sollte jeder Musiker einige seiner Songs gratis ins Netz stellen. Denn was kann dabei schon passieren? Wenn die Songs dann heruntergeladen und herumgereicht werden, ist das doch die beste Promotion für die Band, virales Marketing.

Können Sie uns Ihren Surftipp nennen?
Eine in vielerlei Hinsicht vorbildlich umgesetzte Website ist beatport.com. Diese Plattform für elektronische Musik ist graphisch anspruchsvoll gestaltet und äusserst benutzerfreundlich.

Und welche Songs laufen zurzeit auf Ihrer Playlist?
Zur Zeit höre ich gerade Härteres, vor allem Foo Fighters, Institute, Velcra und natürlich meine eigene Band, Duality of Mind.
Interview: Tobias Chi

Internet: Chancen für Bands ohne Plattenvertrag
Mrz 28th, 2008 by Tobias Chi

Das Web bietet Musikern neue Kanäle, sich zu vermarkten. Diese gilt es clever zu nutzen.

Radio G 01 in

Als Radiohead letzten Herbst ihr neues Album zum Preis nach Gutdünken ins Internet stellten, sahen viele das Ende der traditionellen Musikindustrie gekommen. Zwar entpuppte sich die Sache bald schon als Marketingstrategie, die den Verkauf des wenig später auch als CD erhältlichen Albums ankurbeln sollte. Aber sie zeigt, dass es im digitalen Zeitalter Wege gibt, Musik auch ohne Plattendeal zu vermarkten. Immerhin hatten Radiohead allein mit dem Online-Verkauf mehr verdient als je mit einem Album zuvor, wie Sänger Thom Yorke dem US-Magazin «Wired» verriet.

MySpace-Sternchen?
Auch ist immer wieder von Künstlern zu hören, die ihren Erfolg der Musikplattform MySpace verdanken. Lily Allen oder Kate Nash etwa, die inzwischen beide mit Brit-Awards honoriert wurden, sollen wegen ihrer Songs auf MySpace entdeckt worden sein.
Ob an solchen Geschichten etwas dran ist, bleibt indes fraglich. Tobi Wirz vom Online-Vertrieb «iMusician Digital» zeigt sich gegenüber «.ch» überzeugt, dass hinter dem Erfolg genannter Musikerinnen eine professionelle Marketingmaschine steckt. Auch Thom Yorke gibt im Interview mit «Wired» zu verstehen, dass Radiohead ohne ihren berühmten Namen kaum so viel am Download ihres Albums verdient hätten.

Kreativität ist gefragt
Hat im Web also nur eine Chance, wer bereits berühmt ist oder von einem Konzern gepusht wird? Immerhin gibt es für Bands heute Möglichkeiten, auch ohne Labelvertrag auszukommen. Zum Beispiel kann man sich gegen Gebühr bei einem digitalen Vertrieb wie «iMusician Digital » anmelden. Dieser sorgt dafür, dass die eigene Musik in bekannte Online-Shops wie iTunes oder Napster gelangt. Wie man dort auf sich aufmerksam machen will, ist dann allerdings wieder Sache des Musikers. Hier ist wohl vor allem Kreativität gefragt.
Tobias Chi

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