Welches sind die grössten Hindernisse, die westliche Firmen im asiatischen Markt zu erwarten haben? Benjamin Joffe: Grundsätzlich ist es gefährlich, von einem «asiatischen Markt» auszugehen, da zwischen den einzelnen Ländern zum Teil grosse Diskrepanzen bestehen. China und Japan zum Beispiel sind sehr unterschiedliche Länder in Bezug auf Markterfahrung, Infrastruktur, Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien, Machterwerb, Grösse des Online-Anzeigenmarktes, Anzahl der Bewerber, Verfügbarkeit von Kapital und noch einigem mehr. Nur von weitem sieht vielleicht alles nach einem einheitlichen Asien aus. Dennoch kann man folgende Schwierigkeiten zusammenfassen, denen westliche Firmen auf asiatischen Märkten begegnen: - Der bereits bestehende Wettbewerb: Ausländische Unternehmen spielen auf asiatischen Märkten keine Hauptrolle mehr, und von wichtigen westlichen Unternehmen gibt es fast immer schon lokale Pendants. - Der Mangel an Verständnis der lokalen Märkte, insbesondere der Geschäftspraktiken und der Massenmärkte – in China könnte man dies das „Pudong-Syndrom“ nennen. - Die langsamen Prozesse, was meistens damit zu tun hat, dass die obersten Entscheidungsträger irgendwo im Westen sitzen. - Dass meist nur Unterhändler eingesetzt werden und keine Unternehmer. - Dass westlichen Unternehmen die eigenen Motive oft unklar sind. Man versucht, den Aktionären die grosse China-Geschichte anzudrehen. Dabei wären andere, vielleicht weniger prestigeträchtige Märkte viel einfacher anzugehen, weil dort weniger Wettbewerb besteht und mehr Profit zu holen ist. Dass sich alles auf China konzentriert, hat oft mit dem Ego der beteiligten Personen zu tun sowie mit dem mangelnden Verständnis der Märkte und ihrer Dynamik. Was man den Aktionären zu verkaufen versucht, ist meistens bloss Schall und Rauch.
Im März verschickte Facebook Anfragen an seine User in China mit der Bitte, bei der Übersetzung der Seite behilflich zu sein. Ist die Übersetzung nicht ein untergeordnetes Problem beim Eintritt in den chinesischen Markt? Wenn ja, was könnte Facebook mit diesen Anfragen tatsächlich beabsichtigt haben? Ich denke, Facebook kann es sich leisten, die Textboxen selber übersetzen zu lassen, vermutlich sogar in besserer Qualität, als wenn unbezahlte Freiwillige diese Aufgabe übernehmen. Meiner Ansicht nach zielt das Vorgehen von Facebook auf einen psychologischen Effekt ab: Erstens klingt die ganze Geschichte sehr nach Web 2.0 und entspricht somit dem Image von Facebook. Zweitens tritt man in einen Dialog mit den chinesischen Usern, indem man ihnen eine verhältnismässig einfache Aufgabe anvertraut. Drittens wird dadurch auf einfache Weise eine Bindung geschaffen: Jeder, der sich an der Übersetzung beteiligt, wird das Gefühl bekommen, etwas zum Ganzen beigetragen zu haben, und wird das Produkt dadurch eher anderen weiterempfehlen. Vor diesem Hintergrund halte ich den Schritt von Facebook eher für einen cleveren PR-Schachzug, der zudem kaum Risiken birgt und wenig kostet, als für einen Vertrauensbeweis gegenüber den Usern. Ich hoffe, Facebook hat schon einige Vorkehrungen bezüglich Korrekturlesen getroffen.
Wenn man bedenkt, dass das chinesische soziale Netzwerk QQ bereits über 300 Millionen aktive Konten verfügt, kann es einem ein bisschen vermessen vorkommen, dass Facebook mit weltweit «nur» 64 Millionen überhaupt versucht, im chinesischen Markt Fuss zu fassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Facebook so naiv ist und glaubt, die chinesische SNS-Szene («Social Network Service»-Szene, Anmerkung der Redaktion) sei im Handumdrehen zu erobern. Doch eine «China-Story» lässt sich immer gut verkaufen und ist bis jetzt auch einigermassen preiswert zu implementieren, also spricht eigentlich nichts dagegen. Beim Segment der Jüngeren – 70 Prozent der chinesischen User sind unter 30, während zum Beispiel in den USA 70 Prozent über 30 sind – wird Facebook sehr schlau vorgehen müssen. Product Placement ist nicht die Stärke von Facebook, weil man alle möglichen Altersklassen zugleich zu bedienen versucht. QQ ist sehr potent in den Bereichen Internet Messaging und Unterhaltung in Echtzeit. Jedenfalls wird Facebook in China nicht den Profit suchen. Andere asiatische Märkte – ausgenommen Korea – wären wahrscheinlich einfacher anzugehen und zu handhaben, doch einzig China sorgt momentan für schnelle Schlagzeilen.
Spielt die staatliche Kontrolle des Internets in China eine Rolle bei den Schwierigkeiten, denen westliche Unternehmen beim Eintritt in den chinesischen Markt begegnen? Ja, aber das ist nicht das wesentliche Problem. Die Politik in den USA ist vermutlich eine grössere Hürde für die Unternehmen als die in China.
Was müsste verändert werden, damit westliche und östliche Märkte näher zusammenrücken würden? Sind sie überhaupt miteinander kompatibel? Die Frage nach Kompatibilität ist wahrscheinlich eine Frage nach der Kultur. Asiaten essen bei McDonald’s, sehen sich Hollywood-Filme an und trinken Kaffee bei Starbucks. Amerikaner essen Sushi, lesen mehr Mangas als amerikanische Comics und spielen Nintendo Wii, was die Frage nach der kulturellen Kompatibilität ja eigentlich schon beantwortet. Grundsätzlich entstehen Probleme durch die im Westen weit verbreitete Annahme, dass alles Westliche grossartig ist, während Dinge aus Asien bestenfalls als «asiatisch», meistens aber einfach als «ausgeflippt» angesehen werden. Asiatische Firmen und Unternehmen lernen vom Westen, während sich der Westen weitgehend auf sich selber konzentriert und dadurch Innovationen, bewährte Konzepte und grosse Ideen verpasst. Wie sollte es möglich sein, dass 200 Millionen Internet-User in China, 90 Millionen in Japan und 35 Millionen in Korea nicht auch gute Ideen haben? Der Westen sollte die Augen öffnen für das, was in Asien vor sich geht. In einem weiteren Schritt ist ein Verständnis erforderlich nicht nur des Marktes, sondern auch der Kultur. Und damit meine ich nicht nur, dass man die Sprachen lernen sollte, sondern dass man für einige Zeit in die lokalen Märkte eintauchen soll, um sie verstehen zu lernen. Diese zwei Elemente – also sensibel werden für Asien einerseits und andererseits ein tieferes Verständnis, indem man vor Ort arbeitet – sind die Kernaufgaben meiner Firma +8*. Wir nennen das «Innovation Arbitrage». Interview: Tobias Chi
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Peer-to-peer Anwendungen verursachen heute schon einen riesigen Datenverkehr auf dem Internet, und mit der Verbreitung von digitalem Fernsehen wird der Bedarf an Bandbreite weiter steigen. Ist es denkbar, dass es irgendwann zu einem Zusammenbruch des Internet kommt? Das bezweifle ich. Tatsächlich sind Programme wie BitTorrent für einen grossen Anteil des heutigen Verkehrs verantwortlich. Allerdings ist die Kapazität des Internets heute bei weitem noch nicht ausgeschöpft, und auch gibt es bei der Glasfasertechnologie immer noch ein grosses ungenutztes Potenzial. Einzig realtime oder live Übertragungen könnten kurzzeitig von Engpässen betroffen sein. Allerdings stellt sich hier die Frage, wie relevant solche Übertragungen in der Zukunft noch sein werden.
Weshalb? Recht wenige Inhalte heute sind live Die meisten Fernsehprogramme sind Filme oder Serien, die man im Prinzip nicht um 20:15 Uhr schauen muss. Viele Experten gehen davon aus, dass in Zukunft nur das «on-demand» bestellt wird, was man auch wirklich schauen will, und dass das Programmfernsehschauen, wie wir es heute kennen, weniger wichtig sein wird. Solche «on-demand» Programme kann man auch gut «buffern», sodass kurze Engpässe nicht bemerkt werden. Einzig Sportübertragungen bleiben live. Gibt es keine Schwachpunkte im Internet? Das Internet ist grundsätzlich dezentral organisiert und beinhaltet viel Redundanz, dadurch ist es robust. Natürlich sind beispielsweise Viren und Spam ein grosses Problem heute. Das Ende des Internets wurde in der Vergangenheit schon oft prognostiziert, aber seit den Problemen in den 1980ern (das heutige Internet ist mit dem damaligen nicht vergleichbar) kam es eigentlich nie zu nennenswerten Ausfällen. Das Internet ist ein grosser Erfolg und wird es sicher in der näheren Zukunft noch bleiben.
Einzelne Server können aber sehr wohl angegriffen werden. Einzelne Komponenten sind anfälliger auf Attacken. Beispielsweise kann ein Angreifer mit einer sogenannten Denial of Service Attacke versuchen, einen Server mit Anfragen zu überfluten. Deshalb ist es ratsam, für wichtige Dienste wie dem DNS System oder beispielsweise bei einem e-Banking Server, eine gewisse Redundanz einzubauen. Peer-to-peer Technologie kann da oft auch nützlich sein? Ja. Ein wichtiges Paradigma der peer-to-peer Technologie ist Dezentralität: Jeder Rechner ist gleichberechtigt im System und nicht auf einen speziellen anderen Rechner angewiesen. Diese Unabhängigkeit von zentralen Servern verleiht den Systemen eine hohe Robustheit: Wenn ein Rechner ausfällt, werden dessen Aufgaben auf die anderen Rechner verteilt. Da ausserdem jeder teilnehmende Rechner auch selber Resourcen zum System beiträgt, skalieren diese Systeme sehr gut: Die Kapazität steigt in grösseren Netzwerken. Tatsächlich gibt es Vorschläge, das Internet der Zukunft vermehrt nach solchen Prinzipien zu gestalten.
Bringt Dezentralisierung auch Nachteile mit sich? Es gibt einige Anwendungen, welche dezentral schwieriger zu lösen sind. Beispielsweise werden kryptographische Protokolle komplexer, wenn kein „vertrauenswürdiger Server“ existiert. Auch haben heutige peer-to-peer Systeme immer noch viele Kinderkrankheiten. Beispielsweise ist es im Kad Netzwerk, einem der grössten reinen peer-to-peer Netzwerke, einem Angreifer einfach möglich, Inhalte zu zensurieren. In der Forschung existieren hier aber bereits Vorschläge für Gegenmassnahmen. Interview: Tobias Chi
Marc P. Bernegger: Die Schweiz bietet aufgrund ihrer wenigen Regulierungen und der grossen unternehmerischen Freiheit eine gute Grundlage für Internet-Startups. Mit 80 Millionen potenziellen Usern ist Deutschland aber ein sehr interessanter Markt.
Oder gleich in die USA? Tatsächlich stossen immer mehr Schweizer Internet-Startups schon sehr früh mit einem Ableger im Silicon Valley in noch weit grössere Märkte vor.
Was halten Sie von den Spekulationen um eine erneute Internet-Krise? Anders als noch vor sieben Jahren sind heute die Geschäftsmodelle mehrheitlich ausgereifter und die Gründer erfahrener. Zudem ist die Digitalisierung in den letzten Jahren stark vorangeschritten. Ich sehe keine zweite Bubble aufkommen, die bald platzt. Welche Tipps können Sie zukünftigen Web-Startups mit auf den Weg geben? Man sollte sich von Beginn an hohe Ziele setzen. Die Konkurrenz in der Internet-Branche ist enorm. Und klar: hart arbeiten und den Spass nicht verlieren. Denn als Belohnung winken Selbsterfüllung und Unabhängigkeit.
Von: Bartosz Wilczek
Was steckt hinter imusiciandigital? Wir sind ein digitaler Musikvertrieb, der insbesondere von Bands ohne Label, aber auch von kleineren Labels genutzt wird. Gegen eine Gebühr von etwa fünf Franken pro Monat können Musiker über uns ihre Musik in bekannten Online-Shops wie iTunes, eMusic, Napster und vielen weiteren veröffentlichen. Imusiciandigital verdient an den Verkäufen der Musik mit. Worin besteht der Unterschied zu einem herkömmlichen Plattenlabel? Das ist eine berechtigte Frage. Der Übergang zwischen unserem Angebot und dem eines herkömmlichen Labels ist tatsächlich fliessend. Wir übernehmen teilweise die Aufgaben und Pflichten eines Labels, indem wir zwischen Musiker und Verkäufer vermitteln. Im Gegensatz zum Label aber betreiben wir keine Promotion. Deshalb verstehen wir uns auch nicht als digitales Label, sondern als digitaler Vertrieb.
Bands, die ihre Musik über imusiciandigital vertreiben, sind an keine Labelverträge gebunden. Ist die Kehrseite dieser Medaille nicht, dass eine Band im unübersichtlichen Musikmarkt untergeht, wenn sie von keinem Label gepusht wird? Doch, diese Gefahr besteht bestimmt. Durch uns wird Bands ohne Label immerhin eine weltweite Plattform geboten. Im Grunde ist es dann jeder Band selber überlassen, wie sie auf sich aufmerksam machen will. Viele Bands sind nebenbei noch bei einer Agentur, die sich um die Promotion kümmert.
Imusiciandigital ist ein professionell aufgemachtes Portal, das wohl auch finanziell aufwendig umzusetzen war. Sind Sie mit den Zahlen zufrieden? Ist ein Wachstum festzustellen? Im Moment sind wir noch nicht ganz selbsttragend. Glücklicherweise haben wir Investoren aus Deutschland, die uns finanziell den Rücken decken. Vor allem die Datenbankprogrammierung ist ziemlich kostspielig. Was unser Wachstum angeht, so haben wir mittlerweile auch ein Büro in München und expandieren demnächst auch nach Skandinavien. Wir überlegen uns zudem, einen Schritt in die USA zu tun, wenngleich dort tunecore.com, unser amerikanisches Pendant, ein grosser Konkurrent ist. Unser kurzfristiges Ziel ist es, uns in Europa zu profilieren.
Auf Ihrer Website kann durch die unterschiedlichsten Stile gebrowst werden, von Rock bis Reggae, von Electronic bis Klassik. Können Sie uns etwas über das Kundensegment sagen, dass Ihr Angebot am meisten nutzt? Wir haben sehr viel Musik aus dem Electronic-Bereich, was vielleicht auf die Technik-Affinität dieser Musiker zurückzuführen ist. Daneben haben wir aber auch viel Rock, Punk und Hip-Hop und interessanterweise auch vermehrt klassische Musik. Das Genre, das am wenigsten vertreten ist, ist Volks- und Schlagermusik.
Durch den digitalen Wandel ist die Existenz der grossen Musikkonzerne bedroht. Wie sieht Ihrer Einschätzung nach der Musikmarkt in zehn Jahren aus? Das ist schwer zu sagen, da sich alles in raschem Wandel befindet. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine noch grössere Diversifizierung in der Branche stattfinden wird, also dass die grossen Labels noch stärker an Bedeutung verlieren werden und Künstler den Vertrieb und die Promotion selber in die Hand nehmen. Die grossen Labels konnten sich lange nicht von ihren herkömmlichen Geschäftsmodellen lösen und haben dadurch den Anschluss ans neue Geschäft wohl etwas verschlafen. Sie versuchen jetzt, sich stärker auf den Live-Bereich zu konzentrieren und wenige Künstler gross herauszubringen.
Es gibt Geschichten von Stars wie Lilly Allen oder Kate Nash, die allein durch Ihren MySpace-Auftritt berühmt geworden sein sollen. Hat ein Musiker ohne professionelles Marketing heute tatsächlich eine Chance auf Erfolg? Daran glaube ich nicht. Ich bin überzeugt, dass bei den genannten Künstlerinnen eine professionelle Marketingmaschine dahintersteckt. Auch auf MySpace gibt es mit dem nötigen Know-How Mittel und Wege, um Bands professionell zu promoten. Die MySpace-Charts sind nicht so liberal, wie sie gerne dargestellt werden. Auch sie können relativ leicht manipuliert werden.
Musik-Piraterie im Internet ist immer noch ein grosses Thema. Wäre es nicht das Beste, den Musikdownload nicht mehr zu kriminalisieren? Das wäre sicher nicht das Schlechteste. Eine Idee wäre, eine monatliche Grundgebühr einzuführen, ähnlich wie beim Fernsehen, die den unbeschränkten Download erlaubt und womit Labels und Musiker entschädigt werden. Über eine solche Lösung wird bereits diskutiert. Ein Problem ist noch, dass bei Formaten von digitaler Musik keine einheitlichen Standards bestehen. Wie schätzen Sie die Zukunft des Mediums CD ein? Wird sie bald nur noch bei Nostalgikern beliebt sein wie heute die Schallplatte? Natürlich wird Musik immer häufiger nur noch digital konsumiert werden. Die jüngere Generation wächst ja bereits weitgehend ohne CD auf. Doch Liebhaber, die ein hübsches Booklet zu schätzen wissen, wird es wohl immer geben. Hier ist die Kreativität der Labels und der Musiker gefragt, wie man den Fans durch den Kauf einer CD einen Mehrwert bieten kann.
Bestimmt kennen Sie das Verkaufskonzept von Radioheads letztem Album, wo jeder soviel für den Download bezahlen konnte, wie er wollte. Was halten Sie davon? Das ist sicher eine gute und zukunftsweisende Idee. Man darf sich hier jedoch nichts vormachen: Diese Art von Marketing funktioniert nur bei Bands, die etabliert sind und schon einen Namen haben. Dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Im Grunde sollte jeder Musiker einige seiner Songs gratis ins Netz stellen. Denn was kann dabei schon passieren? Wenn die Songs dann heruntergeladen und herumgereicht werden, ist das doch die beste Promotion für die Band, virales Marketing.
Können Sie uns Ihren Surftipp nennen? Eine in vielerlei Hinsicht vorbildlich umgesetzte Website ist beatport.com. Diese Plattform für elektronische Musik ist graphisch anspruchsvoll gestaltet und äusserst benutzerfreundlich.
Und welche Songs laufen zurzeit auf Ihrer Playlist? Zur Zeit höre ich gerade Härteres, vor allem Foo Fighters, Institute, Velcra und natürlich meine eigene Band, Duality of Mind. Interview: Tobias Chi
Als unabhängiger Service legen wir den Fokus auf die User. Auf Netvibes gibt es keine Logos und Bannerwerbung. Frei nach unserem Motto «Remix the Web» stellen Netvibes-User ihren Lieblingsinhalt selbst zusammen und geniessen den Inhalt gebündelt, statt von einer Website zur nächsten zu klicken.
Dieser Tage erscheint Netvibes Ginger. Damit können die personalisierten Seiten zusätzlich als sogenannte «Universen» veröffentlicht werden. Auch Medien wie die «Washington Post» nutzen den Service. Mit welchem Mehrwert? User können sich bei den Medien-«Universen» registrieren, mit unterschiedlichen Widgets ergänzen und so eine personalisierte Website mit reichhaltigen Medieninhalten gestalten.
Auf den «Universen» lassen sich Inhalte etwa ab Flickr oder YouTube direkt anzeigen. Werden diese Portale zukünftig als Publishing-Tools an Bedeutung verlieren? Im Gegenteil. Portale wie Flickr oder YouTube gewinnen an Visibilität, weil sich unsere User täglich bei ihren Netvibes-Seiten einloggen und die Inhalte anschauen. Welche Funktionen hat die Netvibes-Community? Netvibes ist ein internationales Tool mit Usern in 200 Ländern. Die Community besteht einerseits aus Programmierern, die neue Widgets entwickeln. Derzeit bieten wir rund 110 000 Widgets an – zum Beispiel Kalender, Wettervorhersagen, von unterschiedlichen Social Networks und von rund 250 Medienportalen. Und dann gibt es Leute, die Netvibes in rund 80 Sprachen übersetzen.
Interview: Bartosz Wilczek
Wie verbreitet ist es unter Schweizer Personalverantwortlichen, Bewerber im Internet zu recherchieren?Philippe Hertig: Diese Praxis ist in der Schweiz noch wenig verbreitet. Andererseits besteht ein klarer Trend, dass sich Personalverantwortliche vermehrt online informieren, auch über Führungs-kräfte. In diesem Rahmen wird unter anderem auch die Reputation des Bewerbers überprüft.
Welche Online-Dienste nutzen Sie für die Recherche der Bewerber? Der Schwerpunkt liegt auf Google und den jeweiligen Firmenwebsites. Aber auch die sogenannten Internet Business Networks wie Xing oder LinkedIn werden für die Recherche verwendet. Auf welche Informationen achten Sie dabei? Der Kandidat sollte sicherstellen, dass seine Informationen vollständig und wahrheitsgetreu im Internet erscheinen. Für uns sind insbesondere Angaben zu Verantwortlichkeit und Aufgabenbereich der jeweiligen Position interessant.
Wie gross ist der Einfluss dieser Recherchen auf die Entscheidungsfindung? Der Einfluss ist derzeit gering und wird es voraussichtlich auch bleiben. Online-Recherchen sind zusätzliche Entscheidungsgrundlagen, die ein professionelles Interview und eine ganzheitliche Referenzüberprüfung nie ersetzen werden.
Wie effektiv sind Online-Dienste zur Imagepflege wie «myON-ID»? Diese sind heute relativ bedeutungslos.
Was unterscheidet das literarische Blog vom herkömmlichen? Hartmut Abendschein: Indem, dass in solchen Blogs spezifisch literarische Inhalte – primärer wie auch sekundärer Art – verhandelt werden. Aber diese Frage führt direkt zu der Frage: Was ist Literatur? Und das ist eine der umstrittensten Fragen auf dem Sektor schlechthin. Man denke nur daran, wie unterschiedlich diese Frage im akademischen Umfeld oder im Feuilleton, am Markt oder bei den Leserinnen und Lesern diskutiert werden würde. Letztendlich ist es eine Setzung. Ich denke aber, die meisten Autorinnen/Autoren der aktuellen Spatien-Ausgabe mit dem Titel „literarische weblogs“ und also auch Schreibenden bei litblogs.net würden vielleicht zustimmen, wenn ich sage, dass das Schreiben in einem literarischen Weblog immer auch das Nachdenken über das Schreiben an sich, das eigene Schreiben und den eigenen Schreibprozess mit einbezieht. Weitere Kriterien sind vielleicht die dezidierte Arbeit an der Sprache, auch formale und inhaltliche Experimente und sowieso: dass dort auch eine Auseinandersetzung mit literaturgeschichtlichen und/oder (literatur-)theoretischen Zusammenhängen stattfindet.
Welche Möglichkeiten besitzt ein literarisches Weblog, die ein Buch nicht hat? Das sind natürlich die bekannten, medienspezifischen Eigenschaften. Die schnelle Publikation und Zugriffigkeit von Inhalten. Weblogspezifische Kommunikationsfunktionen wie Kommentar, Trackback, Pingback und dergleichen. Die Rückverfolgung von Rezeption und die problemlose Vernetzung und Verweisung. Die mannigfaltige Bündelung und Ordnung von Texten. Mir persönlich gefällt aber die Möglichkeit einer Verwachsung eines grösseren Textkonvoluts. Diese Wucherungsstruktur, die sich überall aus- und weiterformen kann, wenn nötig. Man kann das ganze, wenn es einigermassen konsistent betrieben wird, als offenes Werk betreiben bzw. betrachten und diesem eine eigene Poetik verpassen
Würde ein literarisches Blog auch als Buch funktionieren? Es gibt einige jüngere Werke in Buchform, die bestimmte Ästhetiken eines Weblogs antizipieren (Milorad Pavic, Das chasarische Wörterbuch) oder simulieren (Reinhard Jirgl, Abtrünnig bzw. Mark Danielewski, House of Leaves). Umgekehrt gibt es literarische Weblogs, die so klar und lesbar strukturiert sind, sodass man an Ihnen eine „Buchlektüre“ vollziehen könnte (linear). Dann wiederum gibt es Weblogs, die ganz sicher nicht als Buch oder Bücher, die nur als Supplemente zu Weblogs funktionieren könnten, zumindest, wenn es die Texte auf die Vielschichtigkeit des Zugriffs oder der Verweise anlegen. Da wäre eine reine Buchform immer mit Schwund verbunden. (Man denke da an verschiedene Kategorien in Herbsts „Die Dschungel. Anderswelt“). Nun aber ganz pragmatisch zur Lesehaltung: Ich möchte die Buchform nicht missen, wenn ich im Zug sitze oder abends im Bett noch ein Kapitel lesen möchte. Ich kenne da noch keine bequemere Art der Lektüre.
Kann und darf ein literarisches Blog nach denselben Kriterien beurteilt werden wie ein literarisches Werk aus Papier? Welche Unterschiede sehen Sie da? Das ist jetzt das schwierige Gebiet der literarischen Wertung. Ich denke, wenn ein Text einfach schlecht oder nichtssagend oder gut oder überraschend, neu, verwirrend, wieauchimmer ist, dann ist es egal, in welchem Medium er sich darstellt. Das wäre für mich die erste Sicht auf den Text. Ein Blog lebt aber auch von der Spontaneität des Geschriebenen. Natürlich auch von den Spuren, die darin hinterlassen werden und einer bestimmten Selbstreferentialität. Einer mehr oder weniger von den Autoren ausgeloteten Tiefe. Da können natürlich Sachen drin stehen, die widersprüchlich, auch banal oder missglückt sind. Ich glaube, bei einem „literarischen Weblogs“ sollte man nie sofort von einem kleinen Teil auf das Ganze schliessen. Man muss da vielleicht etwas genauer hinschauen. Muster erkennen (wollen). Über manches hinweglesen können. Man darf auch nicht vergessen, wie viele Personen an einem „literarischen Werk aus Papier“ arbeiten, damit es verkäuflich wird. Ein Weblogautor ist da meistens auf sich selbst gestellt und bringt seine Poetik durch, vielleicht auch in der Diskussion mit Kommentatoren.
Im Gegensatz zu einer Veröffentlichung bei einem Verlag kann mittlerweile jeder seine literarischen Erzeugnisse im Internet veröffentlichen. Besteht dadurch nicht die Gefahr einer Trivialisierung der Literatur? Ich muss da auf den ersten Punkt und die Frage „Was ist Literatur?“ verweisen. Richtig ist, jeder kann nun lesen und schreiben und das beliebig zugänglich machen. Aber die Bewertung dessen ist, glaube ich, nicht so stark eine medienspezifische Sache. Schauen Sie, was in Grossbuchhandlungen als Stapeltitel ausliegen. Ich denke, hier wie dort ist eine bestimmte Literatur einfach eine Nischenangelegenheit.
Auf dem Buchmarkt finden sich “gute” und “schlechte” Bücher, so vermutlich auch in der literarischen Blogosphäre. Gibt es hier so etwas wie eine Literaturkritik, die einem Anhaltspunkte bezüglich der Qualität von Beiträgen liefert? Hier und da wird von Print- und Hörfunkmedien und Ihren Onlinedependenzen auf das eine oder andere Weblog oder eine Bewegung hingewiesen. Selten aber setzt man sich über die Phänomenologie des Mediums hinweg und setzt eine inhaltliche Kritik. Im Internet selbst sehe ich noch nicht so etwas wie eine Betriebsstruktur, die sich dezidiert mit einem „Werk“ auseinandersetzt. Rezeption findet vor allem bei Schreibenden/Lesenden untereinander oder in Foren statt. Klassische Gatekeeperfunktionen habe ich noch keine entdeckt. Das ist natürlich positiv und negativ zugleich.
Handelt es sich bei den Betreibern literarischer Weblogs um Autoren, die keinen Verlag gefunden haben? Oder was ist die Motivation, ein Projekt, in das man vermutlich viel Zeit und Arbeit steckt, in einem Medium zu veröffentlichen, dessen Zukunft ungewiss ist? Bei litblogs.net bzw. den Autoren dieser Spatien-Nummer handelt es sich zumeist um Autorinnen mit Publikationserfahrung. Manche haben in kleinen, mittleren aber auch grossen Verlagen veröffentlicht. Was aber viele Autoren dort eint, ist, dass sie für inhaltliche oder formale Experimente offen sind, und für die diese Form der Darstellung einfach das richtige ist. Auch, diese so zu kommunizieren und sich nicht nach irgendwelchen Marktgängigkeiten richten zu müssen. Das schliesst nicht aus, dass Texte weiter bei Verlagen erscheinen, wenn diese „erfolgversprechend“ sind. Aber eine Zentrierung des Schreibens allein auf so eine schmale und schwierige (Print-)Nische hin, ich gehe da jetzt von mir aus, würde selbst unnötig Fesseln anlegen, wenn man diese Form denn doch betreiben möchte. Man darf nicht vergessen, dass selbst bestimmte Textsorten (Lyrik, kleine Prosa etc.) von bekannten Autoren in bekannten Verlagen allermeist quersubventionierte Projekte sind. Ziel der Autorinnen und Autorinnen ist es zu lesen und zu schreiben. Das ist eine sehr momentane Sache. Die Zukunft dieses Mediums spielt da für die Erfahrung der Textproduktion und –lektüre wohl eine eher untergeordnete Rolle.
Sie bezeichnen in ihrem Beitrag das Buch als Allegorie für das Gedächtnis. Wie steht es um die Nachhaltigkeit von literarischen Blogs? Rechnet ein Autor damit, dass sein Erzeugnis auch noch in tausend Jahren gelesen wird, oder wird die relative Flüchtigkeit des Mediums schon im Schreibprozess berücksichtigt? Ich kann da jetzt nur für mich sprechen. Die relative Flüchtigkeit des Mediums denke ich immer schon mit. Und in meinem Weblog ist auch genug Text, den ich vergessen werde oder auch schon vergessen habe. Im Verlauf des Schreibens kristallisieren sich aber auch immer Bedeutungen von einzelnen Texten heraus. Oder manche gewinnen an Bedeutung. Was also nach einer gewissen Zeit oben schwimmt, was ich immer noch lesen mag und wozu ich genug motiviert bin, das noch mal anzugehen, das wird genommen und überarbeitet. Daraus entsteht dann vielleicht ein Manuskript. Nichts spricht dagegen, dieses in eine haltbarere Form zu giessen.
Im ersten Beitrag der aktuellen Ausgabe von Spatien.net schreibt Alban Nikolai Herbst von der Geschichtslosigkeit des Internets sowie von der Aufgabe, dem Internet eine Geschichte, Geschichten zu geben, einen Mythos zu schaffen. Viele der Beiträge scheinen sich denn auch um diesen Mythos zu bemühen. Wird die Arbeit am Mythos Internet die literarische Aufgabe dieses Jahrhunderts sein? Das Internet ist sicher nicht mehr aus dem Denken zu entfernen. Und auch nicht aus der Instrumentarienkiste der Schreibenden. Ob es aber eine literarische Aufgabe per se ist, das zu thematisieren, zu bereichern, auch literarisch durchzuspielen? Herbst hat ja zu dieser Arbeit am Mythos schon viel geschrieben bzw. diese Arbeit am Mythos in Romanen und anderen Schriften wie kein anderer durchexerziert. Literarisch wird das auch immer wieder aufgenommen werden, mehr oder weniger, besser oder schlechter. Das Fortschreiten dieser Entwicklung wird sich in vielen literarischen Arbeiten aktualisieren. Das ist völlig normal und ein Bestandteil der Summe des Schreibens war es immer, technische Revolutionen zu reflektieren und markieren. Die Frage ist immer nur: wie man das macht und ob man da noch Erkenntnisgewinn abschöpft.
Interview: Tobias Chi
Marcel Machill: Das ist auf kurze Sicht nicht zu erwarten. User nutzen Suchmaschinen stark habitualisiert und werden kaum von heute auf morgen den Service wechseln.
Wie stünde es um die Wettbewerbssituation? Positiv. Durch den Zusammenschluss der heutigen Nummern zwei und drei entstünde für Google ein ‹kräftiger Verfolger›. Allerdings wären weiterhin zwei US-Firmen an der Spitze. Europa sollte in die Suchmaschinentechnik investieren und aufholen.
Suchmaschinen werden aufgrund der Logik ihrer Treffer-Rankings kritisiert. Zu Recht? Je weiter oben Informationen auf einer Trefferliste angezeigt werden, desto relevanter werden sie eingeschätzt. Problematisch ist, dass die Trefferlisten nicht nach inhaltlichen, sondern nach formalen Kriterien entstehen.
Zum Beispiel? Je aktueller und besser verlinkt eine Website ist, desto höher steht sie im Ranking. So entsteht eine künstliche Relevanz. Sollen Suchmaschinenbetreiber ihre Suchalgorithmen offenlegen? Nein. Aber eine grössere Transparenz ist wichtig. Internet-User müssen erfahren, wie die Rankings zustande kommen und kritischer werden. Suchmaschinen sind nicht ‹quasi objektiv› und unterstehen Manipulationsversuchen von aussen.
Bastien Girod: Nein, eigentlich nicht. Ich habe auf meinem Blog alle Texte aufgeschaltet, die ich irgendwo publiziert habe. Ein stets aktuelles Blog zu führen, wäre zwar wünschenswert, aber zu zeitaufwendig. Zu welchen Themen schreiben Sie? Meine Beiträge fokussie¬ren Umweltthemen. Es fällt mir viel einfacher, inhaltliche Texte zu schrei¬ben als Erlebnisberichte wie etwa «mein erster Tag im Nationalrat». Inwiefern hilft Ihnen das Blog bei Ihrer politischen Arbeit? Die Rückmeldungen zu meinem Blog erlauben mir, Lösungsvorschläge zu verbessern oder auch meine Positionen zu hin-terfragen.
Worin sehen Sie die Nutzen und Gefahren von politischen Blogs für die Demokratie? Eine Gefahr sehe ich nicht. Der Nutzen des Internets liegt denke ich darin, ohne grosse Kosten eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Das erlaubt einen gewissen Ausgleich zur Briefkasten- und Plakatpropaganda der stinkreichen SVP.
Welches sind Ihre persönlichen Favoriten im Internet, abgesehen von Ihrer Website? Ich finde das politische Blog «www.ignoranz.ch» super.
Welche Motivation steckt hinter mediensprache.net? Wen soll die Plattform erreichen? 1998 ist unter dem Titel »Sprache und Kommunikation im Internet« die erste Monografie in diesem Bereich erschienen. Dem Thema entsprechend wollten Jens Runkehl, Peter Schlobinski und ich unser Buch online unterstützen, um der rasanten technischen Entwicklung in diesem Bereich Rechnung zu tragen. Auf der Website wurden daher technische Neuerungen vorgestellt und aktuelle Publikationen angekündigt. In den kommenden Jahren haben wir unter anderem Informationen aus anderen Bereichen (Werbesprache, Onlinepublishing etc.) ergänzt, zwei Lexika bereitgestellt, einen Chatbot eingerichtet, den »News«-Bereich ausgebaut und das entstandene Portal um die eigene Publikationsreihe »Networx« erweitert. mediensprache.net richtet sich sowohl an Kolleginnen und Kollegen als auch an Studierende sowie generell an sprachlich Interessierte. Der Bereich Onlinepublishing ist interdisziplinär ausgerichtet und wird von Historikern genauso abgerufen wie von Mathematikern oder der Wirtschaft, wie etwa von Webagenturen.
Auf der Website finden sich Studien, die Sprache in neuen Medien untersuchen – von SMS über E-Mail bis zum Chat und Weblog. Was unterscheidet unsere heutige Kommunikation von der vor 50 Jahren? Besonders die Geschwindigkeit und Nähe. Während in der 50er- und 60er-Jahren Briefe als Medien der Schriftkommunikation im Vordergrund standen, sind es heute die technischen Kommunikationsformen, die in Sekundenschnelle Nachrichten übermitteln. Dies bleibt auch für die Sprache nicht folgenlos. Adressaten können nicht nur unmittelbar reagieren, was schlichte Antworten wie »nö« ermöglicht. Sie verfassen ihre Texte zudem in einer konzeptionell mündlichen Sprache, quasi einer mündlichen Form der Nähe. Dies zeigt sich etwa in Formulierungen wie »hab grad kein Bock« oder »willste mit inne disse?«. Insbesondere technisch bedingt sind Spezifika wie Kleinschreibung, Kurzformen (»hdl« für hab dich lieb) oder Smileys wie . Kommunikationsformen wie Weblogs sind funktional differenziert einzuordnen. Sie dienen weniger der zwischenmenschlichen Kommunikation, sondern sind gewissermaßen die neuen Massenmedien der bis dato passiven Rezipienten. Ein Weblog beispielsweise kann ohne nennenswerte Kenntnisse betrieben werden und erreicht potenziell die ganze Internetwelt, was Blogs wie BILDblog.de belegen. Da Weblogs auch Sachinformationen enthalten können und über Suchmaschinen zugänglich sind, wird es zunehmend wichtiger, Medienkompetenz zu erlangen, um die Vertrauenswürdigkeit von Informationen einschätzen zu können.
Wie gross schätzen Sie den Einfluss eines Mediums auf unser Sprachverhalten ein? Es wäre sicherlich falsch, die neuen Kommunikationsmedien für sämtliche aktuellen Sprachwandelprozesse verantwortlich zu machen. Aber auch sie tragen neben anderen Faktoren dazu bei, dass wir unsere Sprache verändern. Zwei entscheidende Kräfte sind hierbei die starke Orientierung an der gesprochenen Sprache und die sprachliche Ökonomie. Technisch wirkt sich vor allem der Gebrauch der Tastatur auf die Sprache interpersonaler Kommunikation aus – etwa im Chat, in E-Mails oder SMS-Mitteilungen. Weblogs hingegen zeichnen sich nicht durch einen auffälligen Sprachgebrauch aus. Sie sind vertraut mit den neuesten Studien zum Thema Sprache und digitale Kommunikation. Können Sie uns etwas über aktuelle Trends bzw. die neusten Erkenntnisse zum Thema Sprache und digitale Medien sagen? Interessanterweise ändert sich in diesem Bereich nur wenig. Wie in traditionellen Textsorten hat sich ein Sprachstil eingestellt, der mehr oder weniger als prototypisch gelten kann. Das soll jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Sprache innerhalb einer Kommunikationsform erheblich variieren kann. Beim Chat etwa spielen Umstände wie Vertrautheit, moderiert/unmoderiert, Alter, Thema etc. bei sprachlichen Handlungen eine entscheidende Rolle. Natürlich müssen Teilnehmer grundlegende chatspezifische »Vokabeln« erlernen und Äußerungen wie »cu«, oder »gg« beherrschen.
Die technische Entwicklung bleibt nicht stehen, und mit ihr wird sich unsere Art zu kommunizieren weiterentwickeln. Wo sehen Sie unsere Kommunikation in 20 Jahren? Die technischen Entwicklungen gehen in Richtung Mobilität und Miniaturisierung. Dies wird zur Folge haben, dass wir mit immer weniger und zugleich kompakteren Geräten die Alltagskommunikation zunehmend einfacher bewältigen können werden. Die Schlagworte in diesem Kontext sind »permanente Erreichbarkeit« und »unified communication«. Der sprachliche Austausch wird zunehmend mündlich erfolgen und teilweise um Bildinformationen ergänzt werden. Das heißt nicht nur, dass sich die vor einigen Jahrzehnten gescheiterte Bildtelefonie auf höherem Niveau durchsetzen wird. Es bedeutet auch, dass der mündlichen Sprache und ihren Merkmalen eine immer größere Bedeutung zukommt und wir uns dieser immer stärker – auch im nicht-privaten Bereich – bedienen werden. Bei aller Euphorie über die Kommunikationsmobilität steht allerdings zu vermuten, dass dem »information overload« in einigen Jahren der »communication overload« folgen wird. Zu den technischen Errungenschaften wird daher auch gehören, dass Geräte intelligent verstummen, wenn dies die Situation ergibt oder der Benutzer wünscht.
Ihr persönlicher Surftipp? Die Malediven