Ab Montag bietet der Landessender auch seine Musikbeiträge im Internet an.

Nik Thomi. Bild: Radio DRS
Was bisher aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich war, wird nun Realität. Schweizer Radio DRS bietet ab heute auch 19 Musiksendungen als Podcast an. Möglich macht dies eine Vereinbarung mit dem Tonträgerverband IFPI.
Ob «Swissmade» von DRS 1, «Jazz Collection» von DRS 2 oder die «Hitparade» von DRS 3: Radiohörer können sich neu ihre Lieblingssendungen als Audiodatei von der Internetseite des Radio DRS auf einen Computer oder auf einen portablen Player herunterladen.
Das freut auch «Hitparaden»-Moderator Nik Thomi: «Viele ‹Hitparaden›-Hörer können nicht jeden Sonntagnachmittag vor dem Radio verbringen. Dank des Podcasts kann man sich die Sendung anhören wann und wo man will.»
«Ich höre in meinem Umfeld oft, dass sich musikinteressierte Menschen eigentlich gerne Sendungen wie ‹Sounds!› oder ‹Rock Special› anhören würden, es aber zeitlich selten hinkriegen, weil abends das Radio kaum läuft. Die neuen Podcast-Angebote von DRS 3 setzen hier an», sagt Dominic Dillier, der für «Sounds!» und für «Rock Special» zum Mikrofon greift.
«Podcasts sind für unregelmässige Lebensrhythmen wie den meinen ein Geschenk.»
Mit dem neuen Musikangebot sind jetzt insgesamt 62 Sendungen von Radio DRS als Podcast verfügbar. Bereits länger im Angebot ist die Sendung «Focus» von DRS 3.
«Eine einstündige Gesprächssendung wie ‹Focus› hört man sich bewusst und konzentriert an», sagt Mona Vetsch. Dank des Podcasts bestimmen die Radiohörer selber, «wann sie dazu genug Musse haben», so die «Focus»-Moderatorin, die selber auch Podcasts hört.
«Podcasts sind für unregelmässige Lebensrhythmen wie den meinen ein Geschenk. Abonniert habe ich unter anderem ‹Reflexe› und ‹Kontext› von DRS 2, ‹Bücherwelt› der Deutschen Welle und ‹Fiction›, den Literatur-Podcast des US-Magazins The New Yorker.»
Nik Thomi wiederum hört «jeden Abend vor dem Einschlafen ‹Echo der Zeit› von SR DRS, damit ich umfassend informiert in den Schlaf rutsche. Dazu schaue ich regelmässig die SF-Podcasts ‹Rundschau› und ‹Giacobbo/Müller›. Darüber hinaus betreibe ich Werkspionage bei diversen Podcasts ausländischer Radiosender, allen voran natürlich bei BBC.»
«Wenn ich einmal meinen iPod zu Hause vergesse, ist das für mich eine Katastrophe!»
Seit sich Bands auf MySpace präsentieren und Musiklabels aufgrund des zunehmenden Musik-Downloads im Netz weniger CDs verkaufen, ist klar, dass das Internet für die Musikbranche an Bedeutung zunimmt. Und auch für die Helden des Schweizer Radios ist das Internet mittlerweile ein wichtiger Bestandteil des täglichen Musikkonsums.
«Wenn ich einmal meinen iPod zu Hause vergesse, ist das für mich eine Katastrophe! Unterwegs trifft man mich nur selten ohne Stöpsel in den Ohren. Den grössten Teil der Musik beziehe ich mittlerweile aus dem Internet. Wertvolle Musik, wie zum Beispiel das Album der britische Band Elliot Minor, kaufe ich aber noch immer auf CD, da ich es liebe, zum Musikhören im Booklet zu blättern», sagt Nik Thomi.
Für Mona Vetsch macht das Radio «berufsbedingt» einen grossen Teil des Musikkonsums aus. «Meinen eigenen Sound lade ich grösstenteils aus dem Netz herunter. Legal, natürlich, die Bands sollen schliesslich etwas dafür bekommen, dass sie mich glücklich machen.»
Dominic Dillier dagegen setzt vornehmlich auf Offline: «Ich pflege meine CD-Sammlung weiterhin, kaufe mir die Musik von meinen Lieblingsbands auch heute noch als physischen Tonträger. Allerdings ertappe ich mich immer öfter dabei, dass ich an einem Abend mit Freunden zu Hause den iPod im Shuffle-Modus laufen lasse. Grundsätzlich bin ich aber eher skeptisch und wohl auch zu nostalgisch, um meinen gesamten Musikhaushalt nur noch in digitaler Form auf einer Festplatte aufzubewahren.»
www.drs.ch
Von Bartosz Wilczek

Mona Vetsch. Bild: Radio DRS

Dominic Dillier. Bild: Radio DRS
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