Candid Wüest, «Virenjäger» und Security Response Engineer bei Symantec

Wie hat sich die Form der Angriffe auf private PCs in den letzten Jahren verändert?
Der grösste Teil schädlicher Software gelangt heute nicht mehr über Mail-Anhänge auf den PC. Rund drei Viertel des gesamten Schadcode wird über Websites verbreitet. Auch sogenannt seriöse Websites können gehackt sein. Wenn man eine solche Website aufruft, können Trojaner über Sicherheitslücken im Browser auf den PC gelangen. Heutzutage gibt es schätzungsweise an die 100 000 Websites, die, meist unwillentlich, Schadcode enthalten. Weil Trojaner über Schwachstellen im Browser eindringen, ist es wichtig, diesen immer auf dem neuesten Stand zu halten.
Ist es immer noch so, dass das Windows-Betriebssystem anfälliger auf Malware ist als Mac OS oder Linux?
Ja, wobei dies vor allem damit zu tun hat, dass Windows wegen seiner grossen Verbreitung für Malware-Programmierer attraktiver ist.
Worauf hat es heutige Malware abgesehen?
Während es frühe Viren-Programmierer lediglich darauf abgesehen haben, sich selbst und anderen etwas zu beweisen und Aufmerksamkeit zu erregen, verfolgen heutige Malware-Entwickler klar kommerzielle Absichten. PCs werden gezielt nach sensiblen Daten wie Passwörtern, Angaben zur Kreditkarte oder zum Bankkonto abgesucht. Diese Daten gelangen dann via Foren oder Blogs an Käufer. Die Nachfrage nach solchen Daten ist gross, es besteht ein regelrechter Untergrundmarkt.
Ist es also nicht auszuschliessen, dass meine Kreditkartendaten in fremde Hände geraten, wenn ich online einkaufe?
Sofern sich ein Trojaner auf ihrem Computer befindet, besteht ein hohes Risiko.
Auch, wenn ich eine Antivirussoftware installiert habe?
Die Gefahr verringert sich dann enorm. Ein Software-Paket wie Norton Internet Security enthält Antivirus-, Firewall- und Antiphishing-Funktionen. Auch werden damit mögliche Lücken im Browser besser abgesichert.
Was tut man global im Kampf gegen Malware?
Einmal verfolgt man über den Geldfluss die Spuren der Malware-Programmierer. Diese haben sich dann häufig vor Gericht zu verantworten. Bei den Schreibern von Schutzsoftware hat in letzter Zeit ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Weil es eine Tatsache ist, dass heute mehr Malware als nützliche Software geschrieben wird, ist man davon losgekommen, die Spreu vom Weizen trennen zu wollen. Man sucht heute lediglich nach Kriterien dafür, was nützliche Software ist. Alles Übrige versucht man zu verbannen.
Von Tobias Chi
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