Urs Näpflin ist CREE zertifizierter Euro-Ergonome bei der Suva Luzern

Was kann alles passieren, wenn man sich am PC-Arbeitsplatz ergonomisch falsch verhält?
Zentrales Ziel der Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz ist die Schaffung geeigneter Arbeitsbedingungen, um eine effiziente und fehlerfreie Arbeitsausführung sicher zu stellen und gesundheitliche Schäden auch bei langfristiger Ausübung einer Tätigkeit vorzubeugen. In dem Zusammenhang würde ich nicht von ergonomisch richtigem oder falschem Verhalten sprechen, sondern vielmehr von einer ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung, welche gute räumliche, klimatische und lichttechnische Rahmenbedingungen schafft. Sie soll aber auch die anpassparen Arbeitsmittel (Tisch, Stuhl, Hardware und Software etc.) berücksichtigen. Schliesslich ist die optimale Arbeitsorganisation bis zur Pausengestaltung zu berücksichtigen.
Die negativen Folgen ungenügender Arbeitsplatzgestaltung am PC-Arbeitsplatz sind primär Leistungseinschränkung, schnellere Ermüdung (z.B. bei ungenügenden Lichtverhältnissen, zu kleiner Zeichengrösse am Bildschirm oder durch Lärm). Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive ist die Leistungseinschränkung ein bedeutender Grund, Investitionen in die Bildschirmergonomie zu tätigen.
Bei der längerfristigen PC-Arbeit können auch Beschwerden entstehen. Die häufigsten genannten Beschwerden sind Augenbeschwerden und Wirbelsäulenbeschwerden gefolgt von Kopfschmerzen und Müdigkeit. Das Auftreten der Beschwerden hängt stark von der Dauer der PC-Arbeit ab. Mit zunehmender Dauer der täglichen PC-Arbeit steigt auch die Beschwerdenhäufigkeit.
Was sollte beachtet werden, um Augenbeschwerden zu vermeiden?
Um Augenbeschwerden zu verhüten, sind folgende vier Aspekte zu berücksichtigen:
1. Sind die Augen und ist das Sehsystem voll funktionstüchtig oder wäre allenfalls wieder einmal eine Kontrolle beim Augenarzt angezeigt?
So nimmt die Brechkraft der Augenlinse mit ca. 45 Jahren kontinuierlich ab, sodass unter Umständen auch für die PC-Arbeit eine «Lesebrille”» benötigt wird. Generell klagen Personen mit vorbestehenden Sehproblemen (Hornhautverkrümmung, verstecktes Schielen) häufiger über Sehbeschwerden am Arbeitsplatz.
2. Herrschen gute Sehbedingungen am PC-Arbeitsplatz? Die Sehbedingungen betreffen beispielsweise die Schriftgrösse bzw. Zeichenhöhe, welche etwa 3-4 mm hoch sein soll (12-er Arial) bei einem Auge-Bildschirmabstand von etwa 60-80 cm.
Die Schrift soll gut lesbar und mit einem möglichst hohen Kontrast (schwarze Schrift auf weissem Hintergrund) dargestellt sein. Wichtig ist neben den Darstellungen am Bildschirm auch, dass der Bildschirm nicht gegen eine Fensterfront gerichtet ist. Die grossen Helligkeitsunterschiede zwischen Bildschirm und Fenster erschweren die Wahrnehmung infolge Blendeffekten. Generell ist auch der natürlichen und künstlichen Beleuchtung im Büro grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Hier ist zu erwähnen, dass mit zunehmendem Alter auch der Lichtbedarf zunimmt. Zugleich steigt aber auch die Blendempfindlichkeit.
3. Wird die kontinuierliche «visuelle» Arbeit am Bildschirm regelmässig unterbrochen durch andere Tätigkeiten oder durch Pausen?
Durch Tätigkeitswechsel und regelmässige Pausen wird die statische Haltung (auch der Augen) unterbrochen. Sowohl die psychische als auch die körperliche Spannung können «gelockert» werden. Regelmässige «selbstgewählte» Unterbrechungen und Pausen beugen Beschwerden vor. Zudem erhöhen sie die Arbeitsleistung. Durch aktive Augen- und Pausenübungen kann der Erholungseffekt gesteigert werden
Wie kann man Rückenschäden vorbeugen?
Im Zusammenhang mit Arbeit am PC würde ich nicht von Rückenschäden, sondern von Beschwerden im Wirbelsäulenbereich sprechen. Vielfach ist es nicht die Arbeit am PC an und für sich, sondern die sitzende Tätigkeit in immer derselben (teilweise falschen) Haltung, in Kombination mit mangelnder Bewegung, welche Hauptverursacher der Beschwerden sind. Diese Beschwerden können durch die gute Arbeitsplatzgestaltung vorgebeugt oder eliminiert werden. Tätigkeitswechsel und damit einhergehend Haltungswechsel (z.B. stehend telefonieren, Gespräche stehend führen) während der Arbeit wirken vorbeugend. Unser Körper ist für Bewegung gemacht. Gerade Mitarbeitende mit bewegungsarmen Tätigkeiten sollten motiviert werden zu einem regelmässigen «bewegten Ausgleich» in der Freizeit, sei es durch tägliche Alltagstätigkeiten (Laufen mit Hund, zu Fuss zur Arbeit) oder durch regelmässiges Sporttreiben. Sporttreibende mit vorwiegend sitzender Tätigkeit klagen massiv weniger über starke Rückenbeschwerden gegenüber «Bewegungsmuffeln».
Gibt es auch Ernährungsrichtlinien, wenn man täglich am PC arbeitet?
Die Ernährungspyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung zeigt die bedeutendsten Komponenten der gesunden Ernährung auf. Die Bürotätigkeit ist geprägt von hohem mentalen Leistungsanspruch oft gepaart mit Zeitdruck und Hektik. Zugleich ist der Energieumsatz gering im Vergleich zu anderen beruflichen Tätigkeiten. Essen im Büroalltag sollte diese Aspekte berücksichtigen:
• Qualität statt Quantität beim Essen zur Vermeidung von Übergewicht
• Konzentration und mentale Leistungsfähigkeit erhalten durch genügende Trinkmenge, bewusste Auswahl der Kohlenhydrate (z.B. Vollkornbrot) und eiweissbetonte Mittagsverpflegung
• Geniessen statt Stressen: Zeit nehmen für Verpflegung, Kalorienbomben vermeiden (Gipfeli, Schokoriegel etc.)
Wie wichtig sind Pausen?
Tätigkeitswechsel und Pausen erhalten, wie oben erwähnt, die Leistungsfähigkeit. Sie beugen zudem Beschwerden vor. In dem Sinne ist eine abwechslungsreiche Tätigkeit mit regelmässigen Pausen sehr bedeutsam, insbesondere auch für intensive, «stressreiche» Phasen der PC-Arbeit. Gerade unter Arbeitsdruck kann durch eine bewusste und regelmässige Pausenwahl dem frühzeitigen «mentalen Kräfteverschleiss» vorgebeugt werden im Sinne: «Lass den Stress sausen – mach Pausen».
Was gilt es sonst noch zu beachten?
Durch Bildschirmarbeit werden im Allgemeinen keine Gesundheitsschäden verursacht. Wenn dennoch nach längerer Tätigkeit am Bildschirmgerät Beschwerden auftreten – z.B. im Nacken, im Rücken, an den Augen – liegt die Ursache häufig in einer falschen Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes. Gute Arbeitsplatzbedingungen, Information an die Mitarbeiterschaft über die bedeutendsten gesundheitlichen und ergonomischen Aspekte am PC-Arbeitsplatz, aber auch die Selbstverantwortung aller Mitarbeitenden im Bezug auf körperlichen Ausgleich tragen dazu bei, Probleme vorzubeugen oder zu eliminieren.
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